Rote Paprika mischte auf- Bericht der MZ zum Bürgermeisterinen Gespräch

MZ:
Kaum Chancen für Schacht 8

Sven Dittrich
MITTE. Die Jugendlichen im HoT Hagenbusch sprachen vielen Altersgenossen aus der Seele: In Marl fehle es an ordentlicher Jugendarbeit. Geplant war eine ehrliche Diskussion über die Situation der Marler Jugendzentren. Schnell zeigte sich aber, was den Marler Jugendlichen wirklich unter den Nägeln brennt: Sie fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen.

Auch das Bedürfnis nach mehr Sicherheit stand zur Debatte, ebenso wie die Zukunft des HoT Hagenbuschs, das Jugendzentrum im alten Bauhaus unter dem Busbahnhof und die Wiedereröffnung des Kulturzentrums Schacht 8.

“Wir wollen ja gar keine silbernen Toiletten. Sondern nur, dass unser Jugendzentrum offen bleibt”, so formulierte eine Teilnehmerin der Diskussionsrunde am Donnerstagabend im HoT Hagenbusch das Anliegen vieler junger Marler. Die Initiativen Pro Hagenbusch, Der Bunker und das Jugendforum debattierten über die Situation der Jugendarbeit in Marl mit Bürgermeisterin Uta Heinrich, dem Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses Peter Wenzel und Jugenddezernentin Dr. Barbara Duka.

“Ich bin schon froh, wenn wir den Hagenbusch offen halten können”, brachte Uta Heinrich das Problem recht schnell auf den Punkt. Wenzel versuchte zu erklären, dass ihm und seinem Ausschuss die Probleme bekannt seien: “Jeder eingesparter Euro tut mir weh.” Jugenddezernentin Duka bemerkte nach längerem Zuhören: “So katastrophal ist das hier gar nicht”. Immerhin gäbe es einen einstimmigen Ratsbeschluss, sich für den Erhalt des Hagenbuschs einzusetzen.

Obwohl die Vertreter der Politik und Verwaltung sich alle Mühe gaben, das Einsparungsprogramm im Jugendbereich zu erklären - manches blieb offen. So fragte sich ein Teilnehmer warum es einen Steg über den City-See geben muss. Könne man das Geld nicht anders ausgeben? Uta Heinrich stellte dar, dass die Gelder aus einem Förderprogramm des Landes zur Umgestaltung von City-West stammen.

Ein weiteres Problem der Jugendlichen ist das Gefühl fehlender Sicherheit in der Stadt. Der eine fühlt sich von südländischen Jugendlichen bedroht, der andere von Rechtsradikalen. Manch einer machte schlechte Erfahrungen mit dem Sicherheitsdienst, der von der Verwaltung im Stadtgebiet eingesetzt wird. Das Problem müsse man in Einzelfällen betrachten, so Heinrich. Ihr Vorschlag, auf mehr Videokameras zu setzen, erntete lediglich Buhrufe.

Nach einer hitzigen Diskussion regte Barbara Duka an, über konkrete Konzepte zu diskutieren. Was könne direkt getan werden? Die Bürgermeisterin stellte bereits einige Fragen vorher fest, dass der Veranstaltungsraum, der Saal des Hagenbuschs, etwas Farbe gebrauchen könnte.

Sicherlich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber als in die Runde gefragt wurde, wer denn ehrenamtlich beim Streichen mit anpacken würde, schossen fast alle Hände hoch. Ein deutliches Zeichen der jungen Leute, dass sie mitgestalten wollen. Dennoch machte ein Teilnehmer klar: “Mit einem Pott Farbe ist es nicht getan. Die Verantwortung für vernünftige Jugendarbeit liegt bei der Stadt.”

Das Thema Schacht 8 brachte zum Schluss ein Zuhörer auf den Punkt und forderte: “Ich möchte wenigstens den Satz hören: Schacht 8 macht nie wieder auf!” Frau Heinrich formulierte es politisch: “Die Investition in Höhe von einer Million Euro ist für einen Investor nicht darstellbar. Ich sehe wenige Chancen, Schacht 8 wieder mit Leben zu füllen.”

08.12.2007 | Quelle: Medienhaus Bauer

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